Altstadt (bam). "Der Durchbruch kam, als Annegret Leiner in eine Zeichnung einen Strich hineinmalte, der mit dem dort Dargestellten nichts zu tun hatte. Der Strich stand einfach da und behauptete sich, war irgendwie "ganz richtig", prägte die gesamte Komposition, lockerte sie und festigte sie zugleich. Nach diesem Schlüsselerlebnis begann Annegret Leiner sich aus den Zwängen, die sie sich selbst auferlegt hat, "loszumalen" - im wahrsten Sinne des Wortes: neben Papier und Stift arbeitete sie von da an häufiger mit Leinwand und Pinsel". Mit diesen Worten charakterisierte Cornelieke Lagerwaard vom Museum St. Wendel die Kunst jener Malerin, die nun auch in der Altstadter Galerie "Kunststall" zu sehen sein wird. Am Sonntag, 6. Oktober, genauer gesagt, ist das ehemalige Gehöft in der Altstadter Turmstraße 3 Schauplatz der Vernissage. Um 15 Uhr beginnt die Ausstellung unter dem Thema "Vor Ort", wobei die Kunsthistorikerin Drs. Cornelieke Lagerwaard in die Bilder- und Werkschau einführen wird. 

Geboren ist Annegret Leiner 1941 in Hannover. An der Werkkunstschule in Saarbrücken sowie an der Staatlichen Hochschule der Bildenden Künste in Braunschweig absolvierte sie ihre künstlerische Ausbildung. Zahlreiche Ausstellungen stehen seit 1971 in ihrer Biografie, ihre Werke etwa wurden in Brüssel (1988), Castelfranco/Italien (1989), Nantes/Bretagne (1990), auf der Insel Mainau (1991) oder schon mehrfach bei der Großen Kunstausstellung des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf gezeigt. In der näheren Umgebung ist Annegret Leiner zudem "im öffentlichen Raum" mit ihren Werken vertreten, in Homburg in der Frauen- und Kinderklinik etwa oder in Saarbrücken im Landesamt für Umweltschutz, wo sie die Gestaltung des Aufzugsschachtes besorgte. Als im letzten Jahr der Neubau
der Vertretung des Saarlandes beim Bund in Berlin angezeigt war, gestaltete die in Saarbrücken lebende Malerin den Empfangsraum aus.

Annegret Leiners malt abstrakt, oder wie es Cornelieke Lagerwaard einmal formulierte: Sie sei im Laufe der Jahre zu einer "expressiven Abstraktion" gelangt. Dabei "spielt" sie mit Fragmenten und Formen auf unterschiedliche Weise, wie es der Kunstkritiker Ernest W. Uthemann einmal formulierte. "Hier nimmt die Zeichnung Formen des Plakatausrisses auf, führt sie fort und ergänzt sie; dort kontrapunktiert nervöses Lineament die kühle Glätte des Drucks. Hier dringen Gouache-Schlieren in die collagierten Zonen ein; dort umgrenzen balkenstarke Pinselzüge ein Areal als Gegengewicht zu den Farbflächen der Plakatmotive", versucht er die Technik der Malerin zu fassen, nachvollziehbar zu machen. In der aktuellen "Kunstszene", in der zeitgenössischen Malerei, in der das gegenständliche Malen eine Renaissance erlebe, eine interessante "Gegenstimme".

"Vor Ort", die Altstadter Ausstellung von Annegret Leiner, ist vom 6. Oktober bis Sonntag, 3. November, mittwochs bis freitags von 17 bis 19 Uhr sowei samstags und sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen dazu gibt es unter Tel. 06841/80776 bei Galeristin Sibylle Spiess-Deckert sowie im Internet unter www.kunststall.de .


              "Atelierfrische" Werke im Kunststall

              Annegret Leiner stellt noch bis zum 3. November in
              Altstadt aus - Die Künstlerin präsentiert teils
              großformatige Collagen

            Altstadt. Sozusagen "atelierfrisch" sind die meisten dieser
            Bilder, ja teilweise so neu, dass man ihr Alter in Tagen,
            nicht in Jahren rechnen muss, skizzierte Cornelieke
            Lagerwaard vom Museum St. Wendel, wie aktuell die nun
            eröffnete Ausstellung von Annegret Leiner in der Altstadter
            Galerie Kunststall ist. Dort, wo einst Kühe standen, sind
            just 32 vorwiegend großformatige Collagen und Gemälde
            aus Wasserdeckfarben, also so genannte Gouachen, zu
            sehen.

            Der Schauplatz der Werke, der Titel der Ausstellung "Vor
            Ort" und der Inhalt der Bilder haben nach den Worten der
            St. Wendeler Museumsleiterin Lagerwaard einen inneren
            Zusammenhang: Leiner assoziiere mit ihren neuesten
            Arbeiten das Leben auf dem Land, das Leben mit der Natur
            - ohne aber konkret Tiere darzustellen. "Das wäre nun doch
            zu einfach", meinte Cornelieke Lagerwaard bei der
            Einführung in die Bilderschau.

            Volles Haus hatten die Galeristen Sibylle Spiess-Deckert
            und Falk Deckert, denn die saarländische Kunstszene traf
            sich in der engen Altstadter Turmstraße, um die Werke der
            1941 geborenen, in Saarbrücken lebenden Künstlerin zu
            sehen. Eng war es nicht nur draußen auf der Sackgasse,
            wo es ob der vielen parkenden Fahrzeuge zu Problemen mit
            der Verkehrslenkung gab, eng war es auch drinnen, wo gar
            viele Augen und Ohren Zeugen der Vernissage waren. 

            Eine interessante Gegenstimme zum derzeitigen Trend
            figürlicher Darstellung in der zeitgenössischen Kunst sei
            Annegret Leiner, führte Cornelieke Lagerwaard aus. Im
            Gegensatz zu ihrer Zeit wage sie die strikte Abstraktion,
            wobei breite Pinselstriche und zackige Bewegungen ihre
            Handschrift seien. Jedes Bild sei zwar das Ergebnis
            langwieriger Überlegungen, ein jedes sei in sich aber
            schlüssig, obwohl ein jedes stets unter permanentem
            Zeitdruck entstünde. "Annegret Leiner kämpft immer mit der
            Schnelligkeit der Zeit", charakterisierte die
            Kunsthistorikerin, mit welchem Tempo Ideen und Gedanken
            bei Leiner zu Bildern werden. Immer seien diese Resultate
            der persönlichen Dialektik: "Persönliche Erlebnisse und
            Erfahrungen fließen dabei ebenso ein wie Konflikte" - und so
            stünden sich innerhalb eines Bildes verschiedene
            Stimmungen gegenüber, vermittelten Widersprüchliches wie
            Kraft und Sicherheit, aber auch Enttäuschung und
            Niedergeschlagenheit. Aus alledem werde dann ein
            unteilbares, vielförmiges Ganzes, die Variation eines
            einziges Themas. Sämtliche Bilder sind im Übrigen ohne
            Titel - "und sie brauchen den auch nicht", meinte die
            Rednerin Lagerwaard.

            Auch auf etwas ganz Neues wies sie hin: Vor Jahresfrist
            habe Annegret Leiner bei ihrer Ausstellung im St. Wendeler
            Mia-Münster-Haus ein Stundenbuch im Stil der
            mittelalterlichen Andachtsbücher präsentiert. Ursprünglich
            bestand es aus acht Bildern, die zusammen gezeigt
            wurden. Nun sind sie getrennt voneinander zu sehen. Es
            sind konfrontierende Bilder, die auf den Betrachter eine
            aufwühlende Wirkung haben, reflektierten sie doch das
            eigene Leben. "Wer nicht sieht, der lebt nicht", betonte die
            Museumsleiterin herausfordernd den Bild-Inhalt. Dass diese
            acht Bilder dann auch noch ohne Rahmen "nackt" zu sehen
            sind, sei eine ganz bewusste Präsentation des so
            provokanten Inhalts. bam
 

              "Vor Ort", die Altstadter Ausstellung von Annegret Leiner,
            ist noch bis zum Sonntag, 3. November, mittwochs bis
            freitags von 17 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags
            jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen zu
            der Ausstellung im Altstadter Kunststall gibt es unter Tel.
            (06841)80776 bei Galeristin Sibylle Spiess-Deckert sowie
            im Internet unter der Adresse www.kunststall.de.